»Die Osman ist seit zwei Tagen überfällig!« Frederic Burdalls Gesicht nahm einen bekümmerten Ausdruck an. »Was mir Sorgen macht, ist die Tatsache, dass selbst unsere Hyperfunkanrufe unbeantwortet bleiben.«
»Es könnte ein Defekt am Sender sein«, meinte Yunkton.
»Eben nicht. Die Osman besitzt zwei Stück davon. Glaubst du, dass beide Funkgeräte auf einmal ausfallen?«
Isaac Yunkton schüttelte den Kopf.
»Gab es Anzeichen für Hyperstürme oder kosmische Störungen?«, fragte er.
»Nichts dergleichen.« Burdall reichte dem hageren Commander eine mit Koordinaten bedruckte Folie. »Das Operationsgebiet der Osman.«
Isaac Yunkton warf einen kurzen Blick darauf.
»Müsste ich die Gegend kennen?«
»Nein, dieser Raumsektor ist auch uns noch unbekannt, darum wurde die Osman zur Erkundung ausgesandt. Die Osman ist ein als Vermessungsschiff getarnter Raumer der EFG mit drei unserer
Agenten an Bord. Ihre Aufgabe besteht darin, Angaben und Daten über intelligentes Leben, besiedelte Planeten und die dortigen Macht- und Herrschaftsverhältnisse zu sammeln, sofern dort überhaupt etwas Derartiges existiert. Es war vereinbart, dass alle vierundzwanzig Stunden ein Rafferimpuls abgestrahlt wird, eine Art Lebenszeichen also. Dieses Lebenszeichen ist seit achtundvierzig Stunden überfällig.«
»Du befürchtest, dass der Besatzung etwas zugestoßen ist?«
»Allerdings.« Burdalls Miene verdüsterte sich. »Leider besitzen wir nicht den geringsten Anhaltspunkt. Aus Sicherheitsgründen wurde die Funktätigkeit auf ein Minimum beschränkt; die Auswertung der Berichte und Informationen sollte nach der Rückkehr hier auf der Erde erfolgen. Wir wissen also nicht, welche Situation die Agenten in diesem Teil der Milchstraße vorfanden und wer oder was für das Ausbleiben des Hyperfunkimpulses verantwortlich ist. Noch nicht einmal ein Notsignal oder ein Hilferuf der Osman wurde aufgefangen.«
»Wenn ich dich richtig verstanden habe, soll ich mich dort mal ein wenig umsehen.«
»Genau, Isaac.« Der Chef der EFG, der Extraterrestrischen Forschungsgemeinschaft, die in Wahrheit eine Unterabteilung der Abwehr war, strahlte sein Gegenüber an. »Ich könnte natürlich auch eine ganze Flotte schicken, doch das wäre viel zu auffällig und könnte zu unangenehmen Verwicklungen führen.«
»Okay, ich übernehme die Aktion. Wer ist noch mit von der Partie?«
»Winston Kraemer, Oliver Pieper und Bertil Veenil.«
»Die drei kenne ich von früheren Einsätzen her.«
Yunkton erhob sich aus seinem Sessel und schlenderte zur Tür.
»Ach, fast hätte ich es vergessen: Hast du die letzte Standortmeldung und die Flugroute der Osman?«
Frederic Burdall grinste.
»Ich habe bereits die Daten in den Steuerrechner der Crown einspeisen lassen.«
»So?« Der Commander zog indigniert die linke Braue hoch.
»Wenn es dir nicht recht ist, kannst du die Speicherung natürlich löschen und die Werte selbst programmieren.«
»Das wäre doch absoluter Unsinn«, tadelte Isaac Yunkton.
»Eben.« Burdall sah seinen Mitarbeiter listig an. »Ich habe übrigens noch ein zusätzliches Funkgerät in der Crown installieren lassen.«
Yunkton musste lachen. »Du hast sicher auch sonst alles Notwendige in die Wege geleitet?«
»Ja, du kannst sofort starten, Commander. Und sei mit deinen Positionsmeldungen bitte pünktlich – ich möchte nicht noch ein Schiff auf die Verlustliste setzen.«
»Ich werde auf deine väterlichen Gefühle Rücksicht nehmen, Frederic.« Der hagere Mann fuhr sich über das kurz geschnittene Haar. »Außerdem habe ich keine Lust, schon jetzt in den Hades
einzufahren.«
Isaac Yunkton winkte verabschiedend. Er war guten Mutes.
Alles sah nach einem reinen Routineflug aus. Es war schwer vorstellbar, dass die Osman nicht mehr existierte. Wie alle Raumer verfügte auch oder vielmehr gerade die Osman als EFG-Schiff über hervorragende Defensivsysteme und eine starke Bewaffnung. Nach menschlichem Ermessen konnte eigentlich nur ein technischer Defekt dafür in Frage kommen, dass der Diskus sich in den letzten zwei Tagen nicht gemeldet hatte.
Nachdenklich stimmte ihn allerdings, dass Burdall ihn mit der Aufgabe betraut hatte. In Kreisen der Abwehr galt er als Spezialist für knifflige Fälle. Ob der Leiter der EFG ihm etwas verschwiegen hatte? Unbewusst schüttelte Yunkton den Kopf. Nein, das war nicht Burdalls Art. Es war schon eher möglich, dass Burdall ihm eine Art bezahlten Urlaub zukommen lassen wollte, nachdem er,
Yunkton, in der letzten Zeit einige gefährliche Einsätze gehabt hatte.
Der Commander wusste nicht, wie sehr er sich irrte.

