»Professor, das Biest versucht, mich aufzulösen!«
Mühsam drehte Bachmann den Kopf. Voller Bestürzung sah er, dass das andere Tier sich auf Nilsons Brust festgesetzt hatte und sich trotz heftiger Rüttel- und Schüttelbewegungen nicht abwerfen ließ. Gleich einem Beutel hatte es eine Art Ledermagen über den Oberkörper des Terraners gestülpt. An den Rändern des Verdauungsorgans bildeten sich glitzernde Tropfen, die auf der Kombination transparente Spuren hinterließen.
»Helfen Sie mir, Professor!«
»Drehen Sie sich, Nilson, vielleicht können Sie den Seestern erdrücken.«
Verbissen stemmte der junge Zoologe die gefesselten Beine in den Sand und versuchte, sich auf den Bauch zu wälzen. Instinktiv streckte das Tier zwei Arme aus und leistete Nilsons Anstrengungen Widerstand. Der Assistent verstärkte seine Bemühungen, doch im selben Maß reagierte der Morton-Seestern. Keuchend gab Arne Nilson auf.
Und dabei hatte alles ganz harmlos begonnen …
2.
»Sofort kommen Sie her und machen weiter Liegestütze, Nilson!«
»Ich denke überhaupt nicht daran«, keuchte der schmächtige Zoologe. »Ich lasse mir doch von Ihnen nicht meine Gesundheit ruinieren.«
»Kommen Sie her – oder ich hole Sie.« Professor Dr. Frank Bachmann grinste diabolisch. »Sie wissen, was Ihnen dann blüht.«
»Erst müssen Sie mich zu fassen kriegen«, rief Dr. Arne Nilson und rannte davon.
»Bei Gott, das werde ich, und wenn ich Sie durch dieses ganze verdammte Schiff jage«, entgegnete der hünenhafte Mann. Er stemmte sich hoch und lief hinter seinem Assistenten her.
Der verstand es geschickt, stets einige Turn- und Trimmgeräte zwischen sich und seinen Verfolger zu bringen, sodass Bachmann das Nachsehen hatte. Der Professor wurde wütend.
»Auf der Stelle hören Sie mit dem Unfug auf und kommen her!«
»Hasch mich, ich bin der Frühling«, rief Nilson und umrundete eine Massagebank.
»Wenn ich Sie zwischen die Finger kriege, sehen Sie aus wie alle vier Jahreszeiten zusammen, das sage ich Ihnen, Sie Kümmerling.«
Mit einem wilden Sprung setzte Bachmann über eine niedrige Liege. Sein Assistent wich rasch zur Seite und geriet unglücklicherweise auf das Laufband, das sich durch sein Gewicht sofort in Bewegung setzte. Vergeblich versuchte der junge Zoologe, das Trainingsgerät zu verlassen. Je flinker er die Beine bewegte, umso schneller wurde das in Gegenrichtung laufende Band.
»Jetzt sitzen Sie in der Falle, Nilson.« Der Professor rieb sich vergnügt die Hände.
»Sie bekommen mich trotzdem nicht.«
Das Gesicht des jungen Wissenschaftlers war gerötet, Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn.
»Ich könnte ja jetzt warten, bis Sie zusammenbrechen, doch ich bin kein Unmensch.«
Der Hüne ging zur Schaltkonsole.
»Schluss jetzt mit dem Unsinn, Nilson.«
»Nie und nimmer kriegen Sie mich!«
»Nun gut!«
Bachmann drückte einige Knöpfe. Das Band stoppte abrupt und bewegte sich entgegengesetzt. Nilson war bereits ziemlich erschöpft. Durch die unerwartete Richtungsänderung geriet er ins Stolpern. Er ruderte mit den Armen, um das Gleichgewicht zu halten, doch vergebens. Nilson stürzte und wurde zurückgetragen, direkt in die Arme des Professors.
»Wen haben wir denn da?« Bachmann fasste seinen Mitarbeiter an den Schultern und riss ihn ungestüm in die Höhe. Er beugte sich ein wenig tiefer und blickte dem um zwei Köpfe kleineren Mann demonstrativ ins Gesicht. »Ja, das ist ja Nilson, der Frühlingshascher. Nun, Nilson?«
Der Hüne ließ seinen Assistenten los. Der Zoologe taumelte und wich ein Stück zurück. »Aus mir machen Sie keine Jahreszeiten, Professor!« Nilson ballte die Hände zu Fäusten. »Ich lasse mich nicht verprügeln, hören Sie? Nicht von Ihnen!«
»Aber was reden Sie denn da, Nilson?«
Grinsend ging Bachmann auf den Jüngeren zu. Arne Nilson wirbelte mit den Armen und machte einige Schritte rückwärts.
»Bleiben Sie mir vom Leib, Professor, ich warne Sie!«
»Ist ja schon gut, Nilson.« Blitzschnell schossen Bachmanns Hände vor und umklammerten die Unterarme des anderen. Ohne sich um die ohnehin nur schwache Gegenwehr zu kümmern, fasste der Wissenschaftler nach dem rechten Bein seines Gegenübers und entzog ihm den Stand. Wie ein kraftloses Bündel trug er Nilson zur Massagebank.
»Ihr Körper muss nun dringend ein wenig durchgeknetet werden, damit Sie keinen Muskelkater bekommen«, sagte Frank Bachmann, als er den Massagerobot aktivierte. »Dass Sie das Training
aber auch immer so übertreiben müssen, Nilson. Sie wissen doch, dass Sie in schlechter körperlicher Verfassung sind.«
Der Angesprochene antwortete nicht. Mit geschlossenen Augen lag er auf der Liege. Ab und zu stöhnte er unterdrückt, wenn die Maschine gar zu intensiv ihrem Programm folgte.
Der Professor lachte vergnügt und begab sich in eine Nasszelle.
Als er die Kabine angekleidet verließ, lag Nilson noch immer auf der Bank und ließ sich von dem Automaten durchwalken.
»Nun ist es aber genug, Nilson. So sehr können Sie sich doch gar nicht verausgabt haben, dass die Massage zum Genuss wird.«
Der junge Zoologe hob den Kopf und blickte seinen Vorgesetzten strahlend an.
»Ich stelle mir vor, dass die gepolsterten Klauen des Robots die zarten Hände einer schönen Frau sind. Da wird so eine Massage förmlich zum Vergnügen.«
Bachmann bekam große Augen.
»Frauenhände?«, krächzte er und schluckte. »Die körperliche Anstrengung muss Ihren Geist verwirrt haben.« Er schüttelte den Kopf. »Frauenhände«, murmelte er fassungslos.
In diesem Moment sprach die Rundrufanlage an.
»Hier spricht Stratford«, meldete sich der Erste Pilot der Tobro.
»Professor, wir haben eine gute Nachricht. Wir befinden uns wieder in bekannten Gefilden. Vor uns liegt das Morton-System. Wollen Sie in die Zentrale kommen?«
»Was? Äh, ja, ich komme«, sagte Bachmann verwirrt. Er betrachtete die Greifer des Massagerobots und besah sich dann seine eigenen riesigen Pranken.
»Frauenhände.«
Erschüttert verließ er den Trainingsraum des Kugelraumers.

